EADS für Zukäufe bereit – gut gefüllte Kassen
Paris – Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS denkt dank eines üppigen Finanzpolsters über Zukäufe nach.
«EADS verfügt über eine enorme Menge an Barmitteln, die dem Konzern einen Handlungsspielraum für Zukäufe ermöglicht», sagte der designierte Verwaltungsratschef Arnaud Lagardère im Gespräch mit der Tageszeitung «Le Figaro» (Freitag). Lagardère, der selbst EADS-Anteilseigner ist, denkt dabei besonders an das Geschäft jenseits der Flugzeug-Tochter Airbus.
EADS hatte am Donnerstagabend umfangreiche Neubesetzungen in den Führungsspitzen von EADS und Airbus bekanntgegeben. So löst der 53-jährige Airbus-Chef Thomas Enders den 68-jährigen EADS-Chef Louis Gallois ab, der Anfang Juni von Bord geht.
Neben Airbus gehören das Raumfahrt-Unternehmen Astrium, der weltweit größte Hubschrauberhersteller Eurocopter sowie das Militärunternehmen Cassidian zu EADS. Für Airbus sieht Lagardère die größte Herausforderung darin, das Geschäft mit den Schwellenländern zu stärken. Airbus hat 2011 ein Rekordjahr verbucht und will die Flugzeug-Auslieferungen in diesem Jahr weiter steigern. Lagardère sagte in dem Interview, ein Umzug des Pariser Hauptquartiers von EADS nach Toulouse an den Stammsitz von Airbus könne er sich vorstellen, eine Verschmelzung von EADS und Airbus oder mit anderen Töchtern aber nicht. Ein Anteilsverkauf seiner Beteiligung von 7,5 Prozent an EADS stehe derzeit nicht an.
Es war spekuliert worden, dass der Manager, der früher Verkaufsabsichten geäußert hatte, sich im Gleichklang mit dem deutschen Gegenpol Daimler zurückziehen könnte. Der Autokonzern will in diesem Jahr ein 7,5-Prozent-Paket an die staatliche Förderbank KfW abgeben. Der Franzose Lagardère folgt im Juni dem deutschen Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber an der Spitze des EADS-Verwaltungsrats nach. Uebber bleibt Mitglied des Kontrollgremiums. Bei der unternehmerische Führung folgt auf den Franzosen Gallois nun mit Enders ein Deutscher.
Wegen des strategisch wichtigen Rüstungsgeschäfts des Konzerns wachen die deutsche und französische Regierung über die Balance zwischen den beiden Ländern auf allen Ebenen. Seine künftige Aufgabe sieht Lagardère darin, einen neuen Aktionärspakt zu schmieden, der den deutschen Staat erlaubt über die KfW bei EADS einzusteigen. Um EADS gegen Marktspekulation zu schützen, kämen unter anderem eine Goldene Aktie oder eine Begrenzung der Stimmrechte in Betracht, sagte der Manager. Mit dem Golf-Emirat Katar, dem mittlerweile größten Anteilseigner der Lagardère-Gruppe, habe es keine Gespräche über einen möglichen Einstieg bei EADS gegeben, sagte der Manager. Lagardère gehört unter anderem der gleichnamige Medienkonzern, den er von seinem Vater Jean-Luc geerbt hat.
Jean-Luc Lagardère war eine der treibenden Kräfte bei der Gründung von EADS.
