Ein Berg von Aufgaben – Enders soll EADS profitabler machen

Freitag, 27. Januar 2012 - 17:53

Auf den deutschen Tom Enders warten an der Spitze des größten europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern schwere Aufgaben.

Bis er den EADS-Chefsessel übernimmt, muss er sich aber erst einmal mit den Problemen des Airbus-Riesenfliegers A380 herumschlagen. Paris – Die ausbaufähige Profitabilität, der bevorstehende Aktionärswechsel und Diskussionen über einen Verlagerung des Pariser EADS-Sitzes nach Toulouse: Auf den deutschen Spitzenmanager Thomas Enders warten an der Spitze des größten europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern zahlreiche Großbaustellen.

Bis Juni hat der bisherige Airbus-Chef noch Zeit, sich auf die Übernahme des Amtes von Louis Gallois vorzubereiten. Auch bei der Flugzeugtochter gibt es derzeit aber wieder mal Probleme.

Beim doppelstöckigen Riesenflieger Riesenflieger A380 sorgen Haarrisse in einem kleinen Teil der Flügel für Sicherheitsdiskussionen. Ursache der Fehler sind nach Airbus-Angaben Probleme beim Fertigungsprozess. Mit Ärger dieser Art wird es Enders in den kommenden fünf Jahren nur noch indirekt zu tun haben. Als Chef der Muttergesellschaft muss sich der 53-jährige Deutsche künftig um das große Ganze und die Leitlinien der Konzernentwicklung kümmern. «Wir müssen profitabler werden», gab der scheidende EADS-Chef Gallois vor wenigen Tagen als Devise für die Zukunft aus.

Höhere Preise, schnellere Auslieferungen und auch eine erneute Überprüfung der Gewinnspannen bei den Zulieferern sollen den Aktionären Freude bereiten. Zum Kreis der Anteilseigner soll bald auch die vom deutschen Staat kontrollierte KfW Bankengruppe gehören. Der Stuttgarter Daimler-Konzern will sich von einem Teil seiner Aktien trennen und um das deutsch-französische Gleichgewicht bei den Anteilen zu wahren, musste ein geeigneter Abnehmer gefunden werden. Der Staatseinfluss droht damit allerdings eher wieder größer als kleiner zu werden. Er war von Gallois und anderen EADS-Managern mehrfach kritisiert worden.

Der designierte neue EADS-Verwaltungsratsvorsitzende Arnaud Lagardère, der sein Amt ebenfalls nach der Hauptversammlung am 31. Mai antreten soll, sieht einen Ausgleich der Interesse als einen seiner wichtigsten Jobs an. «Wir müssen den Aktionärspakt ändern, damit der deutsche Staat über die KfW bei EADS einsteigen kann», sagte der EADS-Großaktionär im Gespräch mit der Tageszeitung «Le Figaro» (Freitag). Um EADS gegen Spekulanten zu schützen, kämen unter anderem eine Goldene Aktie oder eine Begrenzung der Stimmrechte in Betracht. Als eine Sache für Enders bezeichnete Lagardère die Entscheidung über einen möglichen Umzug des Pariser Hauptquartiers von EADS nach Toulouse an den Stammsitz von Airbus. Wenn ein solches Projekt Einsparungen und mehr Effizienz ermögliche, sei er allerdings dafür.

Der zweite Teil der EADS-Zentrale sitzt in München. Dass der wegen seiner Militärvergangenheit «Major Tom» bezeichnete Enders der neuen Herausforderung gewachsen ist, bezweifelt kaum jemand. Ein wenig anders sieht das allerdings bei Lagardère aus. Der als lebenslustig geltende Franzose ließ sich im vergangenen Jahr von einem Boulevard-Magazin bei Turteleien mit seiner rund 30 Jahre jüngeren neuen Model-Freundin filmen. Die Wirtschaftswelt zeigte sich schockiert.

«Dieser Film ist lächerlich, bestürzend, beunruhigend», schrieb das Wirtschaftsblatt «La Tribune». «Wenn ich gewusst hätte, dass es veröffentlicht wird, hätte ich das niemals akzeptiert», entgegnete der Erbe von EADS-Mitbegründer Jean-Luc Lagardère.

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